Die Sprache der Musik - Teil 1

Ein Schleier wird gelüftet und die Welt verbessert

 

Wie geht es uns, wenn wir in einem Land sind, dessen Sprache wir nicht beherrschen? Wenn wir den Einheimischen zuhören, mag für uns die Sprache vielleicht spontan sympathisch und schön klingen oder auch eher kantig und ungewohnt. Klang löst in uns Emotionen aus. Gefühle. In dem Fall hören wir den Klang einer uns fremden Sprache, wie wenn wir (wenn wir nicht ausgebildete Musiker sind) Musik hören. Auf Musik reagieren wir vollkommen intuitiv. Aus dem Bauch heraus. Sie gefällt uns oder sie gefällt uns nicht. Erklären können wir unsere Reaktion kaum.

 

Doch, was passiert ab dem Zeitpunkt, wenn wir beginnen, eine fremde Sprache zu verstehen? Wenn die „willkürlich“ aneinander gereihten Klänge auf einmal beginnen, Sinn zu machen? Dann treten wir ein in das Reich der „Wissenden“. Wir sind nicht mehr passive Zuhörer, sondern wir werden zum aktiven „Versteher“ und können uns dann im besten Fall in dieser Sprache ausdrücken.

 

„Monkey see, monkey do“. Oder besser doch lieber verstehen?

 

Sprachenunterricht für Fremdsprachen gibt es heute in jedem Dorf. Ganz selbstverständlich weiss schon jedes Kind, dass man fremde Sprachen lernen kann. So. Und was ist mit Musik? Man kann Instrumente lernen zu spielen. Doch wie funktioniert das?

 

Wenn man das Glück hat, ein gutes Konzept zu haben, um die Notenschrift zu „dechiffrieren“, dann spielt man ein Stück nach Noten und lernt so, selbst zu lesen. Doch da das Notenlesen, gerade beim Klavierspielen, vielen Schülern eben verschlossen bleibt, eben weil sie nicht um diese Lernkonzepte wissen, bleibt ihnen oft nur das Vorspielen - Nachspielen.

 

Meist heutzutage mit Hilfe von YouTube-Videos. Das scheint – und ist es auch – für viele ein Weg zum schnellen Erfolg! Es klingt gleich und ich spiele Klavier!

Was will ich mehr?

 

Das "Mehr" sind viele wesentliche Aspekte der Musik, die so unentdeckt bleiben. Diese würden auch dabei helfen, dass man Stücke eben nicht mehr so schnell vergisst. Auch ist der Klavierspieler so immer auf fremde Hilfe angewiesen. So, wie wenn er nie selbst lesen gelernt hat und immer jemanden braucht, der ihm die Zeitung vorliest. 

 

Im Englischen nennt sich das „monkey see, monkey do“ - Affe sieht, Affe tut. Ohne jemandem zu nahe zu treten. Das Vorspielen - Nachspielen fördert bestimmte Bereiche im Gehirn, die sicher sehr hilfreich sein können!

Doch auch als Kinder werden wir irgendwann erwachsen. Irgendwann wollen wir VERSTEHEN, was da passiert. So auch in der Musik. Es ist keine Errungenschaft des menschlichen Geistes, dauerhaft Musik kopflos „nachzuäffen“, ohne zu wissen, was man sagt. 

 

Wie schon festgestellt, wissen wir sehr wohl, dass man fremde Sprachen lernen UND verstehen kann. Doch über Musik herrscht immer noch eine vollkommen andere Wahrnehmung. Über ihr hängt bis heute ein dichter Schleier. Sie ist einem Mysterium gleich, das nur Eingeweihte, die Begabten, die Begnadeten, die (von wem auch immer) Auserwählten verstehen dürfen bzw. können. 

 

Der Schleier und seine (Auf-)Lösung

 

Ursachenforschung tut da Not. Zu viele Menschen lieben Musik heiss und innig. Und zu viele Menschen sind beim Versuch, ein Instrument zu lernen, kläglich gescheitert. Woran liegt das? Es ist Zeit, das Geheimnis, das um Musik zelebriert wird, zu lüften!

 

Ja. Musik ist AUCH eine Sprache. Natürlich existiert jedoch die Sprache der Musik in anderen Bereichen. Natürlich sind ihre Zusammenhänge nicht sichtbar und drängen danach, mit Hilfsmitteln sichtbar gemacht zu werden. Doch wie jede Fremdsprache, können wir auch die Sprache der Musik erlernen!

 

Kein Schleier, kein Mysterium mehr.

 

Sondern ein Weg, der die Musiksprache so natürlich und spielerisch vermittelt, wie wir als Kinder Lego gespielt haben.

 

Dabei muss Kindliches nicht zwangsläufig kindisch sein! Im Gegenteil! Durch einen kindlich, naiven, spielerischen Zugang kann JEDER die Sprache der Musik verstehen! Zugegeben: Das ist nicht für jeden auf Anhieb etwas.

 

Ein spielerischer Zugang zum Lernen wurde uns im Laufe unserer Schul- und Studienzeit strukturiert und systematisch abtrainiert. Klingt etwas nicht akademisch hochstehend und werden nicht ausladend Fachbegriffe benutzt, stufen wir es intuitiv als weniger vertrauenswürdig ein. Diese Hürde müssen wir überwinden, wenn wir wir den Zugang zu uns etwas komplett Fremden schaffen wollen und es zu unserem Eigen machen wollen. Wie z. B. dem Erlernen der Sprache der Musik.

 

Begriffe sollen Dinge „begreifbar“ machen!

 

Schauen wir einmal genauer hin, erkennen wir, dass Fachbegriffe nichts anderes sind als eben - Begriffe. Und deren Aufgabe ist es eigentlich etwas „begreifbar“ zu machen. Die meisten Fachbegriffe sind jedoch eher abstrakt. Z. B. wird in der Musik von Quinten, Dur, Moll, Dominante, vermindert, Kadenz, Harmonie usw. gesprochen.

Was soll sich da ein musikalischer Laie vorstellen können?

Es braucht Methoden, die sich dem Begreifbar-Machen von dem Nicht-Greifbaren verschrieben haben.

 

Dann kann der Schleier, der über der Musik hängt, endlich gelüftet werden und aus einem Privileg wird ein allgemein zuglängliches Gut. Unabhängig von Alter und musikalischer „Begabung“!

 

Der Zugang zur Musik und seine Folgen

 

Wenn jeder Mensch Musik in seiner vollen und wahren Dimension begreifen könnte, würde sich seine Sicht auf ALLES verändern. Er würde Sinn in vorher Sinnlosem sehen. Er würde Zusammenhänge erkennen, wo vorher Willkür herrschte. Er würde vom passiven Geschehen-Lasser zum aktiven Mitwirker avancieren und auf einmal Dinge ganz anders in die Hände nehmen!

 

Eine solche neue Klarheit würde vieles sehr positiv verändern. In der Fachsprache heisst das Transfer-Effekt - die harmonischen Gesetze der Musik durchdringen andere Lebensbereiche und ordnen neu.

 

Die harmonischen Gesetze von Musik und eine bessere Welt?

 

Natürlich bleibt die Frage offen, ob und wie weit Musik auf das moralische Bewusstsein von Menschen einwirkt. Doch bei denen, die Musik machen, stellt sich diese Frage gar nicht.

 

Sie wissen, was sich durch das Musizieren und das Verstehen von Musik bei ihnen verändert hat. Ein Verständnis über die Gesetze der Harmonie in der Musik kann eine ganze Gesellschaft nachhaltig verändern. Denn kaum etwas anderes verbindet uns so mit allen Facetten des Mensch-Seins, wie die Musik. Wenn immer mehr Menschen diese all umfassende und verbinde Kraft von Musik an sich selbst erleben könnten, wie lange würde es dauern, bis ein neues Gefühl des Miteinanders auf dieser Erde entstehen würde?

 

Wenn die Menschen durch das Verstehen von Musik eine vollkommen neue Selbstwahrnehmung erfahren könnten, neues Selbstvertrauen entwickeln würden und sich als wertvolle, fähige Wesen erfahren würden? Wäre das nicht ein Schritt in Richtung einer frieden-stiftenden, gemeinsamen Sprache, welche die ganze Welt erfassen könnte?

 

„Schwierig, aber machbar!“

 

Klingt utopisch, wäre aber machbar! Wie meine hoch-geschätzte und hochbetagte Gesanglehrerin in fast jeder Lektion zu sagen pflegte: „Es ist schwierig, aber machbar!“

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Erlernen der Sprache der Musik! Machen wir die ersten Schritte und verbessern uns und folglich die ganze Welt. Und bei all der Welt-Verbessererei immer daran denken - immer schön bescheiden bleiben!

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